Welche Vorteile bringen Tablets im Unterricht?

Ab 5. September 2016 bietet unsere Schule den Schülern der dann 7. Klasse ein besonderes „Bonbon“ – sie können in der ersten iPad-Klasse Westmecklenburg zur Schule gehen. Wir haben uns für eine elternfinanzierte 1:1-Lösung entschieden. Das bedeutet, dass jedes Kind ein eigenes Privatgerät in den Unterricht mitbringen muss, um am Unterrichtsgeschehen während der Stunde und auch zu Hause teilnehmen zu können. Für unsere Eltern rückt damit eine Frage in den Mittelpunkt: Lohnt sich die Investition überhaupt? Immerhin sind etwas mehr als 500 Euro zu investieren, wenn das eigene Kind in die iPad-Klasse gehen soll.

Dieser Frage möchten wir uns nun stellen und einige Argumente ins Feld führen, warum unserer Pädagogen schon seit über 18 Monaten der Meinung sind, dass die Einrichtung von iPad-Klassen als 1:1-Lösung sehr viele neue Möglichkeiten eröffnen wird.

Die reale Alltagsumgebung im beginnenden Digitalzeitalter unserer Schüler ist von Smartphone, Computer, Spielkonsole – aber auch von Mäh- und Saugroboter sowie Smart-TV, Smart-Home, Google, Instagram, WhatsApp, Facebook, Datenschutz und vielem Mehr geprägt. Es dauert nicht mehr lange und so kommt vielleicht ein Industrieroboter auf Arbeit oder ein selbstfahrender Pkw hinzu. Die Digitalisierung schreitet immer mehr voran und durchdringt immer mehr Lebens- und Arbeitsbereiche. In acht Jahren werden die Schüler der 7. Klasse ihre Ausbildung beendet haben. Acht Jahre im digitalen Zeitalter können viel verändern. Versetzten Sie sich nur mal in das Jahr 2008 und stellen einen Vergleich mit heute an.

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Das reale Unterrichtsgeschehen in einer 7. Klasse umfasst 31 Stunden pro Woche. Multimedialer Unterricht, an dem der Schüler selbst aktiv teilnimmt, sind auf 1 Wochenstunde Informatik und ca. 2 Wochenstunden im Medienkabinett unserer Schule begrenzt. Hinzu kommt noch ein eventueller direkter Kontakt mit unseren interaktiven Tafeln. Wählt dann noch ein Schüler im Wahlpflichtbereich „Mediengestaltung“ oder „Schülerzeitung“ so verdoppelt sich der Zeitanteil auf insgesamt 6 Stunden pro Woche. In einer iPad-Klasse sind es nicht 6 Stunden/Woche sondern 31 Stunden/Woche. Dies bedeutet natürlich nicht, dass der Schreibstift, das Schülerheft und das Lehrbuch komplett aus dem Unterricht verbannt sind. Wir werden auch nicht das iPad ständig einsetzen – wohl aber in allen Unterrichtsfächern, denn unsere Schule verfügt über entsprechend ausgebildete Pädagogen. Das iPad ist wie alle anderen Utensilien nur ein Lernhilfsmittel – allerdings ein mächtig gewaltiges.

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(Links in der Abbildung unser App-Einführungs-Konzept für die Klassen 7 bis 10)

Vergleicht man den Informatikunterricht mit dem was ein Schüler einer iPad-Klasse an Software benutzt, so fällt auch dieser Vergleich vernichtend für Nicht-Ipad-Kassen aus. 31 Stunden bieten letztlich mehr Anknüpfungspunkte und Gelegenheiten als 1 Stunde in der Woche. Während auch ich noch vor einem Jahr der Meinung war, dass eine iPad-Klasse jederzeit Internet verfügbar hat und ansonsten nur Dokumente und Präsentationen erstellen kann – ähnlich wie im Informatikunterricht – so sieht die Realität für unsere Schule doch ganz anders aus. Es gibt schon jetzt sehr viele interessante Möglichkeiten – aber auch bei der Software stehen wir praktisch erst am Anfang.

In dem Zusammenhang: iPad-Schüler werden deutlich entwickeltere Medienkompetenzen besitzen, denn sie müssen eine Vielzahl von Handlungen immer und immer wieder im Zusammenhang mit ganz unterschiedlichen Aufgabenstellungen ausführen. Sie können Informationen erfassen, beurteilen, filtern, bearbeiten, strukturieren, neu anordnen, sichern, teilen und präsentieren. Sie können auch Programme auswählen, nutzen, kombinieren, aktualisieren und selbstverständlich auch ihre Features selbst ergründen. Letztlich werden sie Gefahren erkennen und Verhaltensmuster entwickeln, die Schäden abwenden. Durch die ständige Verfügbarkeit der Technik werden sämtliche Kompetenzen nachhaltig erworben. Nachhaltig bedeutet vor allem eine Verstetigung, die einen sicheren Umgang zur Folge hat.

Was gibt es sonst noch so?

  • Mehr Anschaulichkeit
  • Attraktive Methoden
  • Mehr Teamarbeit
  • Mehr Kommunikation
  • Mehr Individualität

Kurz und knapp. Einzelne Argumente dazu möchten wir jetzt hier nicht darstellen. Der Leser wird sicher selbst in der Lage sein und sich entsprechende Begründungsmuster zurecht legen. Wenn dies allerdings nicht gelingt: Schreiben Sie uns und wir werden antworten – oder sprechen Sie uns einfach an.

Eine Frage zum Schluss: Sollte uns allen dieser Mehrgewinn nicht 16,40 Euro pro Monat für zweieinhalb Jahre Wert sein?

 

P.S.: Bitte beachten! Die Aufnahme in eine iPad-Klasse ist eine freiwillige Entscheidung der Eltern. Ob Schüler dieser Klasse dadurch bessere Lernleistungen bringen und wirklich alle die hier angesprochenen Fähigkeiten und Fertigkeiten erwerben werden ist natürlich offen, denn sie erfordert in jedem Fall auch das Engagement des Schülers. Über den Zeitraum von vier Jahren ist jedoch Vieles möglich. Nur ein Beispiel: Plötzlich stehen jedem Nutzer sehr viele kostenlose Bücher zur Verfügung. Kinder können nach Herzenslust schmökern. Ob Karl May, Hans Huckebein oder Die Abenteuer Tom Sawyers oder Alice’s Abenteuer im Wunderland – oder doch lieber doch ein Fotobuch über die Malediven. Der bequeme Zugang zu so viel ist schon irgendwie verrückt, aber irgendwie auch verlockend. Kinder sollten gefördert werden.

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